
Generalvikar Fritz Morgenschweis am 29. Juli 1973 im Regensburger
Bistumsblatt zum 25jährigen von Johannisthal:
Man
muss das Bild nicht erst von weit herholen. Wer einmal das
wildromantische Waldnaabtal durchwandert hat und die Wasser
sah, die sich in ungebändigter Kraft durch die granitenen
Felsen zwängen, um zuletzt, geführt und gestaut,
in die Turbinen des Kraftwerks zu stürzen, damit daraus
Strom für Licht und Wärme wird, der begreift in
Spiegel und Gleichnis, was nebenan im Exerzitienhaus Johannisthal
geschieht, das nun seit 25 Jahren dem Tal einen neuen Namen
und den Menschen neue Kraft für ihr Leben gibt: Das
Tal wilder Romantik ist zum Gnadental geworden.
Ein
Vierteljahrhundert rundet sich in diesen Tagen für
das Tal der Gnade an der Waldnaab. Eines aber ist in der
Vielfalt der Tagungen und Kurse und im Wechsel der zweieinhalb
Jahrzehnte stets gleich geblieben: die wohltuende Atmosphäre
von Herzlichkeit und Gastfreundschaft und der immer neu
in Dankbarkeit empfundene Dienst derer, die, ob Priester,
Schwestern oder Laien, den Gästen begegnen und dienen.
… Und wie die Wasser von Johannisthal sich weiter
sammeln und wandeln in Kraft, Licht und Wärme, so werden
die Menschen, jung und alt, "umgeformt" in der
Gnade, von hier aus in Kirche und Gesellschaft einbringen,
worauf alle Zeit wartet: dass Gottes Licht sie erhelle und
Gottes Kraft sie belebe.
Exerzitienhäuser
sind Stätten des Schweigens, denn im Schweigen soll
der Mensch in der heutigen Zeit des Hastens und Lärmens
wieder zu sich selbst finden. Exerzitien wollen hinführen
zu einem erfüllten Schweigen, in dem die Seele mit
Gott spricht und so zu einer beglückenden Einheit wird;
und so die Menschen, gestärkt im Glauben, hinausgehen
als Apostel in eine ruhelose Welt.